Gelehrtin: Fatima bintu Ala’uddin as-Samarqandi

Folgende Geschichte wird in den alten Geschichts- und Biopgraphiebüchern erwähnt:

Zu der Zeit, als Ala’uddin as Samarqandi (gest. 450 n.H. – 1145 n.Chr.) sein Werk „Tuhfatul Fuqaha’“ beendet hatte, hielt sein Schüler, der ebenfalls bedeutende hanafitische Rechtsgelehrte ِAbu Bakr Ala’uddin al-Kasani (wurde manchmal auch als al-Kaschani erwähnt; gest. 587 n.H. – 1191 n.Chr.) um die Hand seiner Tochter an.

Ala’uddin as Samarqandi antwortete ihm:
„Um der Ehemann meiner Tochter zu sein bedarf es, dass man ihr gleichwertig im Wissen ist. Jedoch sehe ich nicht, dass du ihr gleichwertig bist.“

Diese Worte kränkten al-Kasani ein bisschen; er sagte: „Mein Lehrer! Wie kann ich beweisen, dass ich ihr im Wissen ebenbürtig bin?“

Ala’uddin as Samarqandi antwortete:
„Wenn du eine Erklärung zu meinem eben beendeten Werk „Tuhfatul Fuqaha’“ schreibst und meiner Tochter Fatima gefällt, was du geschrieben hast, so muss ich deine Ebenbürtigkeit akzeptieren.“

Daraufhin machte sich al-Kasani ans Werk und arbeitete Tag und Nacht und schrieb das 7-Bändige Werk „Bada’i3us Sana’i3 fi Tartibi-Schara’i3“, welches uns heute noch vorliegt.

Ala’uddin as Samarqandi sah, dass sein Werk „Tuhfatul Fuqaha’“ detailliert erläutert worden war und gab es seiner Tochter Fatima zur Überprüfung. Die Faqiha (Rechtsgelehrtin) Fatima las „Bada’i3us Sana’i3 fi Tartibi-Schara’i3“ vom Anfang bis zum Ende durch und hatte bis auf zwei Kleinigkeiten nichts zu beanstanden; und sie gab zu, dass ihr dieses Werk gefiel. Daraufhin heiratete al-Kasani die Tochter seines Lehrers, Fatima bintu Ala’uddin as -Samarqandi.

Eines Tages verlangte Fatima, die im Wissen ihrem Vater und ihrem Mann in nichts nachstand, von Syrien nach Khorasan, in die Heimat ihres Vaters zu ziehen. Der Regent dieser Zeit, Nuruddin-i-Schahid, war über diese Nachricht betrübt; würden doch zwei von den gelehrtesten Personen jener Zeit seine Stadt verlassen. Er bat sie den Scham, also Syrien, nicht ohne seine Benachrichtigung zu verlassen.

Al-Kasani antwortete darauf:
„Fatima ist eine Gelehrtin des Fiqh und die Tochter meines Lehrers. Ich kann ihr keinen Wunsch abschlagen. Sie könnten ihr einen Brief schreiben und darin ihre Bitte mitteilen.“

Der Herrscher schrieb einen Brief und gab ihn al-Kasani, welcher diesen Brief einem Diener gab und ihm auftrug, ihn Fatima zu übergeben. Doch die Antwort war verblüffend.

Fatima schrieb ihrem Mann al-Kasani:
„Oh Imam Sasani (sie machte sich ein bisschen lächerlich über ihn mit dieser Anrede)! Ich ahnte, dass dein Wissen im Fiqh weniger geworden ist. Jedoch hatte ich noch nicht herausgefunden, dass du mit dem, was du weißt, auch nicht  handelst. In welchem Fiqh-Buch steht, dass eine Frau mit einem fremden Mann sprechen darf?“

Daraufhin schickte al-Kasani den selben Brief mit einer Frau. Fatima las den Brief, den ihr die Frau gab und sagte: „Dem Befehl des Herrschers zu gehorchen, der nichts Verbotenes gebietet, ist Pflicht.“ Sie verzichtete darauf Halab (Aleppo in Syrien) zu verlassen und lebte in Halab, bis sie im Jahre 587 nach der Hidschra starb.

Drei der größten Gelehrten dieser Zeit lebten somit in einem Haus, unter einem Dach. Fatima schrieb viele Fatwas selbst, unterschrieb sie dann und ließ sie danach von ihrem Vater und ihrem Mann unterschreiben. So waren viele Fatwas  dieser Zeit mit drei Unterschriften versehen; eine davon die einer Frau.

Auch kam es vor, dass Ala’uddin as Samarqandi und Abu Bakr al-Kasani gefragt  wurden und diese bei Fatima nachfragten und erst danach Antwort gaben. Daher stammt der  geläufige Ausdruck dieser Zeit:

„Diese Fatwa stammt nicht von euch, sondern sie wurde hinter dem Vorhang gemacht.“

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